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Die armenische Bakuerin: “Ich kann unter anderen Nationen außer den Aserbaidschanern nie leben” – DIE UNSCHULDIGEN SCHULDIGEN

08.01.2015 | 10:01

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Die nächste Gesprächspartnerin der internationalen elektronischen Zeitschrift “KarabakhINFO.com” ist Marita Äsgärowa – eine Einwohnerin Baku mit der armenischen Herkunft

 

Nach dem Konflikt Berg-Karabakh wanderten einige Armenier aus Baku nicht aus, einige von denenversteckten ihre Nationalität bei der Volkszählung des Staatsausschusses für Statistik im Jahre 1999.

 

 

Es wird berichtet, dass damals in Aserbaidschan, ausgenommen von Berg-Karabagh ca. 700 Armenier lebten. Das heißt, damals nur 700 Armenier, die unter den Aserbaidschaner lebten, hatten keine Angst ihre Nationalität offen zu sagen.

 
Damit verbunden wurde im offiziellen Antwortsbrief des Staatsausschusses für Statistik zur Nachfrage vom 20. Oktober 2012 der elektronischen Zeitschrift “Krabakhinfo.com” betont, dass nach der Volkszählung 2009 die Zahl der Einwohner mit armenischer Herkunft in der Republik Aserbaidschan 126.306 war. Also, fast 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes sind Armenier.

 
Aber die einzelnen offiziellen Personen, Abgeordneten teilten in verschiedenen Zeiten von den Tribünen mit, dass unter uns genügend Armenier leben und die meist gesagte Zahl war nur 30 tausend. Ehrlich gesagt, es ist nicht so wichtig, ob diese Zahl mehr oder weniger ist. Tatsache ist es, in unserem Land leben die Armenier und sie haben die gleichen Rechte wie die anderen Staatsbürger Aserbaidschans. Aber in Armenien gibt es kein einziger Aserbaidschaner. Weil sie ethnische Säuberung betrieben und alle Aserbaidschaner aus ihren Häusernvertrieben.

 
Wir nahmen in Betracht den Fakt, dass die Armenier am meisten in Baku oder in der Umgebung von Baku leben, und interessierten uns beim Gespräch mit einigen Armeniern für ihre Lebensweise, für die Gründe, warum sie in Aserbaidschan geblieben sind, und für andere Fragen. Letztes Mal legten wir Ihnen das Interview mit Armenierin Janetta Mammedova vor, diesmal erzählt uns die Armenierin Marita YascharÄsgärowa, bewohnt im Bezirk Garadagh, über ihr Leben.

 

 

“Ich habe schon vergessen, dass ich Armenierin bin”

 

 

Wir treten einen Hof mit dem großen Tor. Dieses Haus unterscheidet sich vom Janetta´s Haus mit seiner Luxus und Ordnung. Als wir im Hof eine klagende mitteljärige Frau mit höher Stimme sehen, bleibt uns keinen Zweifel, dass unser Gesprächspartner unbedingt diese Frau sei…

 
“Was bedeutet das, weiß nicht, ich wohne hier fast hundert Jahre, aber niemand hat gefragt: wer bist du? Was machst du?! Und jetzt sind sie gekommen und sagen, du musst sprechen, usw. Ich bin also, kein Armenier. Ich wohne hier seit vielen Jahren, wie kann bis heute Armenier bleiben?! Was werde ich erzählen? Ich habe sie (Armenier – N.G.) ganz und gar nicht gesehen!”

 
– Sind sie nicht Armenierin?

 
Die Frau von der plötzlichen Frageüberrascht:

 
– Wer sagt das? Ich habe seit meinem Geburt nur dieses Ort gesehen.

 
– Wenn es möglich ist, bitte, stellen Sie sich vor, damit wir wissen, wer Sie sind.

 
– Marita YascharÄsgärowa. Meine Eltern waren die Armenier aus Karabakh. Sie sind vom Dorf Khindiristan des Bezirkes Stepanakert (Marita nennt Khankendi als Stepanakert – N.G.). Noch vor meinem Geburt haben sie nach Baku in die Siedlung Gizildasch umgezogen. Ich bin in 1963 geboren. Und hier bin ich in die Schule gegangen. Als ich 16 Jahre alt war, verheiratete ich hier.

 
– Wie haben sie Ihren Ehemann kennengelernt? Da er für Sie von einer anderen Nationalität war, war das vielleicht nicht so leicht ihn heiraten.

 
– Wir waren Nachbarn und damals war die Herkunft nicht so wichtig. Niemand achtete darauf, ob er Armenier oder nicht Armenier ist. Deshalb hatten wir keine ernste Störung. Wir waren ineinander verliebt und verheiratet. In 1980 hat mein Mann mich entwendet (eine uralte Tradition im Kaukasus, man entwendet die Braut vor dem heiraten und dann kommt die Trauung, manchmal heiraten die ohne Trauungszeremonie – Übers.). Nach einem Jahr ist mein Sohn zur Welt gekommen, dann noch meine zwei Töchter.

 

 

“Ich bete, faste in Ramadan, bin gläubig”

 
– Wissen die Nachbarn, dass Sie Armenierin sind und welche Haltung fühlen sie gegen sich selbst?

 
– Ich bin hier geboren und wohne hier seit langer Zeit. Deshalb alle kennen mich und haben normale Haltungen. Wie mit den anderen Nachbarn, so mit mir auch. Ich habe in meinem Leben diese Menschen gesehen, ich habe sie mir sehr nah gefühlt. Es ist sehr merkwürdig, dass ich als Armenierin ein Interview gebe. Ich habe einfach für mich gedacht: welche Besonderheit habe ich, dass sie von mir etwas fragen wollen. Ich habe schon vergessen, dass ich Armenierin bin.

 
– Interessant, wieso haben Sie ihren Vornamen nicht verändert, denn einige Armenier haben ihre Namen verändert…
– Jawohl, ich habe nicht verändert. Viele Menschen nennen mich Rita, einige Maryam. Über denen, die verändert haben, kann ich auch nichts sagen. Ich bete, faste in Ramadan, bin gläubig. Es wäre ein Schuld, über jemanden etwas sagen, was ich nicht weiß. Ich habe um mich die Muslimheit gesehen und gehöre zu dieser Religion.

 

 

Wir müssen es betonen, dass alle Armenier, die wir besuchten, sagten sofort, dass sie Muslime sind, und sie beten.

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“… ich kann nicht unter keiner anderen Nation leben”

 
– Haben Sie Bezihungen zu Ihren Verwandten im Ausland?

 
– Ich habe niemanden, also, keine Verwandten, habe nur zwei Schwester, und sie leben in Russland.

 
– Wie unterhalten Sie sich mit denen?

 
– Nirgendwie. Manchmal ruft mich meine Schwester aus Russland an. Aber wir besuchen einander nicht.

 
– Möchten Sie nicht gehen?

 
– Warum muss ich gehen? Ich habe schon Enkeln, habe alles, was der Allah einem Menschen geben kann. Ich brauche niemanden mehr. Auch wenn sie mich rufen würden, auch wenn ich gezwungen wäre, möchte ich nicht gehen. Hier ist meine Heimat. Ich kann nicht unter einer anderen Nation leben, außer meinen Aserbaidschanern. Mein Leben wird auch hier zum Ende kommen.

 
– Welche Konfliktlösung finden sie besser als der aserbaidschanische Staatsbürger?

 
– Ich möchte, dass die eroberten Länder zurückgegeben werden und der Krieg endet, und alle Leute zusammen freundlich lebt, wie früher.

 
– Das bedeutet, die Aserbaidschaner und Armenier zusammen?

 
– Doch. Der Krieg muss enden, damit auch der Streit.

 
– Auch heutige Situation des Armeniens vom Fernseher… (Frau Äsgärowa lässtg uns nicht bis zum Ende sprechen, die Frage bleibt, sie versteht aber, was wir fragen möchten).

 
– Ich schaue nichts an. Auch meine Schwiegertochter ist Zeugin, ich interessiere mich für nichts. Ich höre nur Mugham (traditionelle Musik Aserbaidschans – Übers.) und schaue die Mugham-Sänger an.

 
– Haben sie zu Hause einige Bräuche, die von ihren Eltern geblieben sind? Also, etwas mit den Festen und Feiern verbunden? Erinnern Sie sich?

 
– Ich habe nur das Fest Nowrus gesehen, wir haben einander etwas geschenkt und als Geschenk bekommen. Nichts weiter.

 

 

“Sie zählt sich nicht zu den Armenierin”

 
In dieser Zeit wir bemerkten den Tannenbaum in der Ecke. Frau Äsgärowa sagte, dass sie den Tannenbaum für die Enkel geschmückt hat. Es war sehr deutlich, dass Frau Äsgärowa über ihre Herkunft nichts sagen wollte. Obwohl wir über die Herkunft der Männer von ihrer Geschwister fragten, antwortete sie nur mit einem Wort: “sie sind Bakuer”. Und als wir fragten, ob sie die Armenier aus Baku seien, antwortete sie sowie “ja”, auch “nein”. Mit Mühe erlernten wir, dass ihre 2 Schwester sich mit den Armeniern aus Baku heirateten und gerade am Anfang des Konfliktes siedelten nach Russland um und jetzt leben sie dort. Auch die Frage über die Beziehungen mit ihnen, beantwortete Frau Äsgärowa eigenartig mit “ja” und “nein”.

 
– Wie erinnern sie sich den Anfang des Konfliktes – das Jahr 1988 und vielleicht hatten Sie auch Angst?

 
– Natürlich, ich hatte Besorgnis um das Schicksal meiner Kinder. Gott sei Dank, meine Kinder sind gut und ich wohne ganz in der Sicherheit.

 

 

Das Gespräch ist beendet. Draußen wartet auf uns Marita´s aserbaidschanische Schwigertochter, sie entschuldigt sich für die Klagen ihrer Schwigermutter: “Bitte, machen Sie ihr keine Vorwürfe. Bisher hat niemand ihr ein einziges Wort über ihre Herkunft gesagt, niemand hat sich dafür interessiert. Deshalb war es uns merkwürdig. Sie zählt sich nicht zu den Armenierin.”

 
Das ist auch noch eine Tatsache. Wir sind noch einmal sicher geworden, dass die armenischen Schwiegermütter den aserbaidschanischen Schwiegersöhnen und Schwigertöchtern noch viele “Überraschungen” versprechen.

 

 

(es wird fortgesetzt…)

 

 

Naibe Gurbanova

“KarabakhİNFO.com”

 

 

08.01.2015 10:01

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